Von Zielen und Vorsätzen und warum die manchmal gar nicht so wichtig sind


Die gestrige Montagsfrage von Libromanie hat mich spontan zu diesem Post inspiriert und in der Zwischenzeit haben mehrere Blogger interessante Meinungen dazu verbloggt. Beispielsweise Stefanie Leo von Bücherkinder, deren Post dazu unbedingt lesenswert ist. 

Nina von Libromanie frägt: 'Habt ihr eure Leseziele für 2014 erreicht?'. Diese Frage hat mich bereits gestern Morgen in der Bahn beschäftigt und mich dazu inspiriert erste Notizen zu sammeln. Für mich ist diese Frage heute nicht nur eine Montagsfrage, sondern noch ein kleines Stück mehr. Die perfekte Gelegenheit um sich näher darüber Gedanken zu machen. 

Vorsätze sind ja immer so eine Sache. Jedes Jahr stelle ich mir wieder neue, weil ich es spannend finde, ob ich sie am Ende erreiche. Für mein Lesejahr war der Vorsatz mindestens 100 Bücher zu lesen, mindestens eine Challenge zu schaffen und immer noch Spaß am Bloggen zu haben. 100 Bücher wahrscheinlich deshalb, weil das im Bereich des möglichen liegt und die Zahl zumindest schon drei Stellen hat. Das sieht gut aus. Dass sich 'Spaß am Bloggen haben' und 'mindestens 100 Bücher lesen' gegenseitig im Weg stehen, habe ich schnell gemerkt. Wenn du einen Wettkampf mit dir selbst ausrichtest, immer schneller und immer mehr willst und dich unter Druck setzt, dann bleibt der Spaß ganz schnell auf der Strecke. 

Das Jahr neigt sich jetzt langsam dem Ende zu und deshalb ist es der ideale Moment, sich damit näher zu beschäftigen und, intensiv darüber nachzudenken. 

Ich habe keine 100 Bücher gelesen, weil es viele Momente gab, in denen mich die Leseflaute erwischt hat, ein Buch doch mal länger dauerte oder ich einfach keine Zeit hatte, ein Buch zu lesen. Ich werde dieses Jahr auch keine 100 Bücher mehr schaffen, mit viel Glück werden es knapp an die 75 werden und auch das ist viel. Viel mehr, als manch anderer schafft und viel mehr, als ich in manch anderen Jahren geschafft habe.

Ich habe dieses Jahr keine einzige Challenge bestanden oder gar komplett beendet, weil ich irgendwann einfach keine Lust mehr hatte. Warum sollte ich meine Zeit in Bücher investieren, auf die ich einfach keine Lust habe, nur um einem Challengeziel näher zu kommen? Wenn man genau darüber nachdenkt, dann ist das einfach völlig absurd. Früher habe ich auch gelesen, was ich wollte, wann ich wollte, wie oft ich wollte. Ich habe mir keine Fristen gesetzt, keine Ziele gelegt, keinen Druck gemacht. Warum jetzt?

Sicherlich beschäftigt man sich als Blogger viel mehr mit Büchern, als man es als 'einfacher' Leser tut. Ich durchforste Verlagsvorschauen, recherchiere viel intensiver und lasse meine Wunschliste kontinuierlich wachsen. Es gibt so viele Bücher, die ich lesen möchte und die ich niemals lesen kann. Aber man setzt sich auch dem Druck aus, dass man scheinbar ständig posten sollte, um aktuell zu bleiben, um gelesen zu werden, um dem Leser etwas bieten zu können. Alles völliger Quatsch

Ich habe meine Vorsätze nicht erreicht und finde das gar nicht wirklich tragisch. Ob man letzten Endes 75 oder eben 100 Bücher gelesen hat, sollte nicht entscheidend sein. Wichtiger ist es Bücher zu genießen, in die Geschichten einzutauchen und dafür kann man sich auch mal Zeit lassen, wenn das Buch diese Zeit erfordert. Und hey, ich habe ganz nebenbei noch einen Vollzeitjob, viele andere Interessen und bin eben keine Maschine. Wenn man sich das Mal bewusst macht, dann wird es plötzlich viel lockerer. 

Die Sache mit den Challenges lasse ich seit Mitte des Jahres sein. Ich habe genug Aufgaben und Verpflichtungen, da will ich zumindest beim Lesen richtig frei sein und nicht vorgeschrieben bekommen, was als Nächstes gelesen wird. 

Meine Ziele habe ich also nicht erreicht, dafür aber so viele Punkte, die ich mir nicht vorgenommen habe und die tausend Mal besser und wichtiger sind. Den Austausch mit so vielen tollen Buchmenschen, eine grandiose Buchmesse, so viele Ideen und Inspirationen, die dir zufliegen, wenn du mit Spaß bei der Sache bist, ganz viel Feedback auf allen Kanälen, Hunderte tolle Mails, eine wunderbare Twitter-Timeline und immer noch unglaublich viel Liebe zu den Büchern

Wenn eure Vorsätze also auch nur Vorsätze bleiben, dann seht es einfach mal locker. Es gibt Wichtigeres, als eine Bestenliste von gelesenen Büchern, abgebauten SuBs oder sonstigen Challenges. Macht das was ihr wollt, macht es, wann ihr wollt und macht euch keinen Kopf dabei. Es ist euer Blog und eure Party. Oder was meint ihr?

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