Rezension: "Passagier 23" von Sebastian Fitzek

Zum Buch

Passagier 23 von Sebastian Fitzek - Droemer Knaur - 432 Seiten - ISBN 978-3-426-19919-0 - Hardcover - 19,99 Euro - bei glatteis kaufen

Inhalt

Martin Schwartz hat vor fünf Jahren seine Frau und seinen Sohn auf dem Kreuzfahrtschiff "Sultan of the Seas" verloren. Er ist seither ein psychisches Wrack, dem alles und jeder egal ist. Schmerzen kann er schon lange nicht mehr spüren. Mitten in einem Einsatz bekommt er den Anruf einer seltsamen alten Dame, die sich als Thrillerautorin bezeichnet: Er müsse unbedingt an Bord der „Sultan“ kommen, es gebe Beweise dafür, was seiner Familie zugestoßen ist. Eigentlich wollte Martin nie wieder den Fuß auf ein Schiff setzen, doch die Neugierde ist groß und er folge dem Hinweis. Ein vor zwei Monaten verschwundenes Mädchen ist wieder aufgetaucht. Mit dem Teddy seines Sohnes im Arm …

Meine Meinung

An Sebastian Fitzek kommt wohl kein Thrillerleser vorbei und so wurde bereits im Vorfeld sehr viel Aufheben um sein neustes Werk „Passagier 23“ gemacht. Doch mit dem Erfolg kommen auch die qualitativen Einbußen. So jedenfalls scheint es mir hier zu sein, denn an so geniale Bücher wie „Die Therapie“ kann Herr Fitzek schon lange nicht mehr anknüpfen.

Wir begeben uns in diesem Buch auf die „Sultan of the Seas“. Ein Passagierschiff, auf dem scheinbar seltsame Dinge vonstatten gehen. Eine Mutter und ihre Tochter verschwinden spurlos und niemand hat auch nur einen Anhaltspunkt. Die Reederei geht immer von einem Selbstmord aus, lässt sich dieser der Öffentlichkeit auch glaubhaft und plausibel erklären. Martin Schwartz, ein Undercoverermittler, hat seine Familie auf eben diese Weise verloren. Angeblich soll seine Frau auf einer Kreuzfahrt erst den kleinen Sohn und dann sich selbst durch den Sprung in den Ozean ermordet haben. Mit diesem Trauma wird Schwartz bis heute nicht fertig. Als er einen rätselhaften Anruf erhält, dass sich genau dieselben Dinge wiederholen, geht er noch einmal an Bord des Schiffes und will das Rätsel lösen.

Grundsätzlich ein interessanter Plot, der großes Potenzial für einen spannenden Thriller birgt. Doch leider hat Fitzek vergessen, was ein spannender Thriller ist und nur überlegt, wie er möglichst viele Gewalttaten und Effekte am besten auf den Seiten unterbringen kann. Er schreibt mitreißend. Das ist auch das Einzige was ich ihm noch zugute halten kann. Obwohl mir persönlich schon der Einstieg ins Buch nicht gefallen hat, war ich relativ schnell im Geschehen und konnte der Geschichte gut folgen. Trotzdem schafft es der Autor, die Handlung von Seite zu Seite immer mehr ins Lächerliche zu ziehen. Irgendwann sitzt man als Leser nur noch vor der Lektüre und schüttelt den Kopf. Wenn man sich mit einer Situation abgefunden hat, dann schüttelt Herr Fitzek die nächste Absurdität aus dem Ärmel, um der ganzen Geschichte noch eines draufzusetzten. Wir befinden uns in dieser Handlung auf einem Schiff. Sicherlich einem großen Schiff, aber der Rahmen ist doch überschaubar. Fitzek macht es aber tatsächlich möglich, dass irgendwie alles in diesem Buch vorkommt. Vergewaltigung, Missbrauch, Mord, Entführung und natürlich auch die gute alte Mafia. Wenn er dadurch die Spannung steigern möchte, ist das vollkommen fehlgeschlagen.

Die meisten Protagonisten sind vollkommen überzogen und mehr als einmal habe ich wirklich an der schriftstellerischen Qualität gezweifelt. Wo ist der Autor hin, der so wahnsinnig spannende und gute Bücher geschrieben hat? Sollte ihn jemand gefunden haben, dann bitte unbedingt Bescheid geben.

Wenn man, dank der gewohnt guten Schreibweise von Fitzek, bis zum Ende durchgehalten hat, dann wird dem ganzen aber noch die Krone aufgesetzt. Ein so vollkommen an den Haaren herbeigezogenes Ende habe ich schon lange in keinem Buch mehr gelesen. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass hier irgendwas zusammengeschrieben wurde, um das Buch noch halbwegs "spannend" zu beenden. Es war aber einfach nur noch lächerlich.

Nachdem ich also nach "Der Nachtwandler" schon keine großen Ambitionen mehr hatte, überhaupt noch ein Buch dieses Autors zu lesen, werde ich mir nach der Lektüre von "Passagier 23" Fitzek in Zukunft sparen. Solange bis er wieder in seine alte Form gefunden hat, mit der er mich damals begeistert zurückgelassen hat. 

Fazit

Sebastian Fitzek war einmal ein Thrillerautor, an dem man nicht vorbeigekommen ist. Mittlerweile sehe ich das aber anders. Was er mit "Passagier 23" abgeliefert hat, ist einfach nur bloße Effekthascherei, die mit einem Thriller nicht mehr viel gemein hat. Ein Szenario jagt das nächste, das Ende ist vollkommen an den Haaren herbeigezogen und als Leser ist man einfach nur froh, wenn die "Sultan" im Hafen angekommen ist und dieses Buch sein Ende hat. Keine Empfehlung. 

2/5 Punkten

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